StartseiteBlinde HundeBlinde Hunde – So klappt der Alltag
Blinder Hund

Blinde Hunde können ein fast normales Hundeleben führen

Auch blinde Hunde haben Spaß am Leben! Wenn der eigene Hund erblindet sind Sie als Halter sehr unsicher und traurig. Es fällt Ihnen schwer, zu realisieren, dass der geliebte Vierbeiner sein Augenlicht verloren hat. Und vermutlich sind Sie nicht darauf vorbereitet, wie viele Alltagsroutinen davon betroffen sind.




Ursachen für Erblindung bei Hunden

Verschiedene Umstände können bei Hunden zur Erblindung führen. Die häufigste Ursache für das Erblinden bei alten Hunden ist der graue Star (Katarakt). Dabei wird die Linse allmählich trübe und immer weißer, der Hund sieht immer weniger und wird am Ende vollständig blind. Weitere Ursachen für die Erblindung von Hunden können Glaukome (erhöhter Augendruck durch Flüssigkeitsansammlung im Augeninneren), Verletzungen und andere Augenkrankheiten (wie Retinadysplasie, Netzhautablösung, SARD usw.) sein.

Hunde können mit Blindheit wesentlich besser umgehen als Menschen. Dazu muss man wissen, dass das Sehvermögen bei Hunden, nach dem Geruchssinn und dem Gehör, erst an dritter Stelle aller Sinne steht. Für Hunde ist also riechen und hören viel wichtiger als sehen.

 

Die überwiegende Mehrheit aller blinden Hunde kann sich, nach anfänglicher Verwirrung und Desorientierung, der Blindheit gut anpassen. Dennoch ist es anfangs eine große Umstellung für Hund und Halter.

Hier erfahren Sie, was Sie machen können, um blinden Hunden das Alltagsleben zu erleichtern.

 

So können Sie blinden Hunden das Leben erleichtern

Jeder Hund ist ein Individuum und reagiert anders auf eine Erblindung. Viele Hunde scheinen die veränderten Lebensumstände gut wegzustecken, andere wiederum wirken anfangs fast schon depressiv. Es ist wichtig, dass Sie einen geregelten Tagesablauf beibehalten und dem Hund nicht zeigen, wie traurig Sie über seine Erblindung sind.

Sicherheit und Hilfsmittel für blinde Hunde

Einige Dinge, die das Leben mit einem blinden Hund erleichtern können und dem Hund die nötige Sicherheit geben, finden Sie auf der Seite…

Dinge, die blinden Hunden das Leben erleichtern

 

Für alle blinden Hunde sollten – gerade am Anfang – die folgenden Dinge beachtet werden:

 

Blinde Hunde in Haus und Wohnung

Anfangs laufen blinde Hunde sicherlich noch öfters gegen Möbelstücke, Türrahmen und andere Gegenstände. Ist den Hunden die Umgebung vertraut und wird nichts verändert, legt sich das nach einer gewissen Zeit und die blinden Hunde bewegen sich dann sehr sicher. Blinde Hunde orientieren sich an Gerüchen, Geräuschen und Berührungen. All diese Sinne verstärken sich, wenn der Hund blind wird. Mit ein paar einfachen Maßnahmen können Sie Ihrem blinden Vierbeiner die Umgewöhnung sehr erleichtern.

  • Stellen Sie Ihre Möbel nicht um. Der Hund stößt sonst an Stellen auf Hindernisse, wo er sie nicht erwartet.
  • Sichern Sie scharfe Möbelkanten auf Hundehöhe ab. Dafür eignen sich z.B. Kunststoffkappen, wie sie auch zum Schutz für Kleinkinder verwendet werden.
  • Lassen Sie keine scharfkantigen Gegenstände herumliegen
  • Es sollte nichts auf dem Fußboden herumstehen, was sonst nicht dort ist. Eine leichtfertig abgestellte Einkaufstasche oder im Flur abgestreifte Schuhe können rasch zur Stolperfalle für blinde Hunde werden.
  • Futter- und Wassernäpfe sollten immer am selben Platz stehen. Wenn Sie die Näpfe auf eine Fußmatte oder ein Plastiktischset stellen, erkennt der Hund am veränderten Untergrund, dass er nun in der Nähe seiner Näpfe ist. Für besonders unsichere Hunde können sie zusätzlich den Weg zu den Näpfen mit einem Teppichläufer auslegen.
  • Ebenso sollten sich die Schlafplätze (Körbchen, Liegekissen etc.) immer an der selben Stelle befinden. Blinde Hunde orientieren sich daran.
  • Bemerken Sie, dass Ihr blinder Hund orentierungslos ist, führen Sie ihn ruhig zu seinen Näpfen oder seinem Lieblingsschlafplatz, damit er wieder erkennt, wo er sich befindet und sich neu orientieren kann.
  • Den Bereich der Näpfe und der Schlafplätze können sie auch mit etwas Duftöl markieren damit der Hund sie leichter findet.
  • Liegt Ihr Hund gerne auf Sofa, Bett oder Sessel, so sollte der Platz davor immer frei sein, damit sich der Hund beim herunterspringen nicht stößt.
  • Andere Menschen und Tiere im Haushalt können Sie mit kleinen Glöckchenversehen, damit der blinde Hund hört, wo sich jemand befindet. Sie können sich so ein Glöckchen an ein Stoff- oder Frotteehaargummi nähen und sich ums Handgelenk binden oder am Schnürsenkel befestigen.
  • Platzieren Sie künstliche oder echte Pflanzen vor Hindernissen, wie z.B. Schrankecken. Sie funktionieren als fühlbarer „Stopper“ für blinde Hunde.
  • Treppen sollten, zumindest am Anfang, mit Treppengittern* abgesichert werden.

Mit einem Treppengitter können Sie Treppen innerhalb der Wohnung absichern oder Zimmer, die für den Hund gefährlich sein könnten, absperren.

Gerade am Anfang kann es sinnvoll sein, mit solch einem Gitter auch einzelne Räume für den Hund unzugänglich zu machen. So kann der Hund erst einmal lernen, sich in einem kleineren Umfeld zurecht zu finden, das dann nach und nach ausgedehnt wird.

 

Treppenlaufen mit blinden Hunden

Eine der größten Unsicherheiten für blinde Hunde ist das Überwinden von Stufen und Treppen. Ein paar kleine Kniffe, die sie dabei anwenden können:

  • Legen Sie am Beginn der Treppe oben und unten eine Bodenmatte hin, damit Ihr Hund erfühlen kann, wo die Stufen beginnen.
  • Für eine bessere Trittsicherheit Ihres blinden Hundes sollten Sie auf glatten, rutschigen Treppen Stufenmatten* anbringen.
  • Üben Sie das Treppenlaufen, indem Sie auf jede Stufe ein Leckerchen legen und den Hund mit neuen Kommandos anleiten (das könnte z.B. „auf“ und „ab“ sein). Sobald er diese Kommandos sicher beherrscht, können Sie Ihren Hund mit deren Hilfe auch unterwegs über fremde Treppen lotsen.

 

Blinde Hunde in Hof und Garten

Nicht nur in der Wohnung, auch in Garten und Hof sollten einige Dinge beachtet werden, damit sich der blinde Hund besser zurechtfindet und sich nicht in Gefahr bringen kann.

  • Entlang des Gartenzaunes / der Gartenmauer, rund um Bäume, an Hauswänden und Garagen empfiehlt es sich, einen etwas breiteren Streifen Kies, Holzspäne oder Rindenmulch auszulegen. So erkennt der Hund durch den Veränderten Untergrund, dass Gefahr droht.
  • Lassen Sie keinerlei Werkzeug, Gartengeräte oder Kinderspielzeug herumliegen.
  • Pools und Gartenteiche sollten Sie mit einem portablen Zaun*
    absichern.

Ein portabler Zaun ist schnell auf- und wieder abgebaut und schützt Ihren blinden Hund vor Stürzen in Pool und Teich.

  • Wenn Sie ebenerdig wohnen und der Zugang zum Garten durch eine Terrassentür möglich ist, können Sie diesen Übergang mit einem Windspiel und Türmatten für den Hund markieren.

 

 

Spaziergänge mit blinden Hunden

Wenn Hunde blind werden, möchten manche anfangs aus Unsicherheit nicht so gerne rausgehen. Doch auch erblindete Tiere müssen in Bewegung bleiben. Auf den täglichen Gassi-Runden mit einem blinden Hund übernehmen Sie als Halter eine besonders große Verantwortung. Sie ersetzen nun, neben seinem Gehör und seinem Geruchssinn, seine Augen. Dabei gibt es ein paar grundlegende Dinge zu beachten:

  • Gehen Sie anfangs vor allem vertraute Wege mit Ihrem blinden Vierbeiner. Dort kennt er sich noch aus sehenden Zeiten gut aus, kann sich leichter orientieren und kann besser einschätzen, wo Gefahr droht.
  • Besonders am Anfang und in fremder Umgebung können Sie sich ein kleines Glöckchen* ums Handgelenk oder an die Schnürsenkel binden. Ihr Hund hört dann immer, wo sie sind.
  • Halten Sie die Leine relativ kurz, damit er nicht darüber stolpern kann.
  • Schauen Sie immer für ihn mit und führen Sie ihn um Hindernisse herum.
  • Reden Sie unterwegs viel mit ihm, das gibt ihm Sicherheit. Wenn er abgelenkt ist, können Sie in die Hände klatschen um seine Aufmerksamkeit zu erlangen.
  • Führen Sie neue Kommandos für unterwegs ein. So könnte ein Richtungswechsel zum Beispiel mit den Worten „links“ oder „rechts“, begleitet von einem Klopfen auf Ihren entsprechenden Schenkel, angekündigt werden. Bei „Stop“ sollte der Hund sofort stehen bleiben. Sicherlich haben Sie auch einige eigene Kommandos, die der Hund bereits kennt.
  • Bei Begegnungen mit anderen Hunden weisen Sie bitte sofort darauf hin, dass Ihr Hund blind ist. Ihm fehlt im Umgang mit anderen Hunden nun die Möglichkeit, die Körpersprache des anderen zu lesen, was schnell zu Missverständnissen zwischen den Tieren führen kann. Dennoch ist der Kontakt zu anderen Hunden auch für erblindete Tiere sehr wichtig.

 

Eine kleine Blindenplaktette, an Leine oder Geschirr befestigt, signalisiert anderen, dass Ihr Hund blind ist.

  • Im Straßenverkehr sollte Ihr Hund nun ausschließlich angeleint unterwegs sein. In Wald und Flur, wo Freilauf möglich ist, können sich manche blinde Hunde hervorragend ohne Leine bewegen (zuverlässiges Befolgen Ihrer Ruf-Kommandos vorausgesetzt!). Andere hingegen fühlen sich auch dort an der Leine sicherer. Da heißt es also ausprobieren, was Ihrem Liebling mehr zusagt.
  • Beschäftigen Sie den Hund unterwegs mit Schnüffelspielen, damit er genug ausgelastet ist.

 

 

Was Sie sonst noch im Umgang mit blinden Hunden beachten sollten

Wenn Sie sich Ihrem blinden Hund nähern, danken Sie immer daran, dass er Sie nicht sieht und sich bei plötzlichen Berührungen erschrecken könnte. Machen Sie daher immer etwas Lärm wenn Sie sich ihm nähern oder reden Sie mit ihm. Dann lassen Sie ihn erstmal an sich schnüffeln bevor Sie ihn berühren. Streicheln an Nacken, Rücken oder Hals ist vielen blinden Hunden angenehmer als an Kopf und Gesicht.

Grundsätzlich sollten Sie mit blinden Hunden viel reden. Das wirkt beruhigend und bedeutet auch Spaß für den Hund.

Blinde Hunde erleben eine großen Teil ihrer Umwelt über den Tastsinn und genießen nun ausgiebige Streicheleinheiten und inniges Knuddeln ganz besonders.

Haben Sie einen kleinen, leichten Hund, machen Sie bitte nicht den (durchaus gut gemeinten) Fehler, ihn überall hin zu tragen. Es ist überaus verwirrend für das blinde Tier, wenn es an der einen Stelle hochgehoben und an völlig anderer Stelle wieder abgesetzt wird.
  • Müssen Sie den Hund eine Weile alleine zuhause lassen, können sie z.B. das Radio einschalten. Die Richtung des Geräuschs hilft dem Hund, sich auch aleine in der Wohnung zu orientieren.
  • Neigt Ihr Hund zu stürmischer Wiedersehensfreude mit Hochspringen, dann sollten Sie Ihre Einkaufstaschen unbedingt nach oben halten. Der Hund sieht sie nicht und könnte sich bei einer freudigen Begrüßung sehr daran erschrecken.
  • Ist Ihr Hund zu schwer, um ihn ins Auto hinein- und herauszuheben, macht die Anschaffung einer Hunderampe* Sinn. Achten Sie darauf, dass die Rampe hochgezogene Seiten hat, damit Ihr blinder Hund nicht aus Versehen seitlich abrutscht!
  • Haben Sie einen kleinen, leichten Hund, machen Sie bitte nicht den (durchaus gut gemeinten) Fehler, ihn überall hin zu tragen. Es ist überaus verwirrend für das blinde Tier, wenn es an der einen Stelle hochgehoben und an völlig anderer Stelle wieder abgesetzt wird.

 

Spielen mit blinden Hunden

Blinde Hunde brauchen genauso viel Beschäftigung und Anregung wie ihre sehenden Artgenossen. Einige Anregungen und geeignetes Spielzeug finden Sie auf der Seite…

Spielen mit blinden Hunden

 

 

Fazit:

Wie Sie sehen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, blinden Hunden das Leben zu vereinfachen. Blinde Hunde können ein durchaus lebenswertes Leben führen und genauso viel Spaß am Spielen und Toben haben, wie jeder andere Hund auch. Wenn sie die obigen Ratschläge befolgen, wird Ihr Vierbeiner trotz Sehbehinderung ein glückliches Hundeleben verbringen!

Blindheit ist KEIN GRUND zum Einschläfern!!!

 

Weiterführende Literatur bei Amazon:

 Blinder Hund – was nun? Ein Ratgeber zur Haltung und Erziehung von blinden und sehbehinderten Hunden*

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